Wann hat man schon die Gelegenheit ein Post Mortem schreiben zu können ohne das Wort Shitstorm verwenden zu müssen?
Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und gestern unsere Maschinerie angeworfen um die Rücktrittsankündigung des Papstes im Social Media live mitzuverfolgen. Wir haben dafür öffentliche Äußerungen in Social Media Kanälen wie Facebook, Google+ und Twitter mit europäischen Schwerpunkt von 11.02. um 12.00 Uhr bis einschließlich dem 12.02. ausgewertet. Damit haben wir die 36 Stunden seit der ersten Meldung des Rücktritts abgedeckt. Die Suchbegriffe waren hier “Papst” und “Pope” für den deutschen und englischen Sprachraum.
Nicht überraschend stieg die Tweet- und Facebook-Posting-Frequenz zum Thema massiv an, nachdem die ersten News-Meldungen veröffentlicht wurden. Damit bestätigt sich wieder einmal das normale Social Media Verbreitungsmuster. Die Nachrichten-Agenturen und News-Seiten sind schnell dabei und geben dabei häufig den Input für die Diskussionen im Social Media.

Innerhalb der ersten Stunde wurde der Papst öfter auf Twitter und Facebook erwähnt als sonst in einem ganzen Monat. Insgesamt wurden innerhalb der 24 Stunden nach Ankündigung ca. 468.000 Beiträge im gesamten Web zu diesem Thema veröffentlicht. Davon wurden ca. 435.000 auf Facebook, Google+ und Twitter gepostet. Twitter lag dabei mit 54% der Nachrichten knapp vor Facebook mit 45%, Google+ wie häufig weit abgeschlagen mit ca. 1%. Wenn man jedoch berücksichtigt das ca. 90% der Facebook-Kommunikation privat abläuft, wäre es überraschend wenn Facebook diese Zahlen intern nicht noch deutlich toppen könnte.
Wir hatten das Vergnügen in diesem Datenberg noch ein wenig zu wühlen, dabei kamen ein paar interessante Beiträge zu Tage:

Wer soll Papst werden?
Wir waren überrascht wie engagiert das Publikum des Sat1 Frühstücksfernsehens ist (0,7% Comments und 0,2% Likes bezogen auf Fanbase) und vor allem da der Event außerhalb des Sendezeit (5:30-10 Uhr) stattfand. So funktioniert SocialTV auch außerhalb der Sendezeit.
Das der Tweet vom kalifornischen Breaking Bad Schauspieler und starken LGBT-Supporter Bryan Cranston nicht unbedingt Papst- oder gar Kirchen-freundlich ausfiel, sollte keinen überraschen, seine Engagement-Rate von 1% bezogen auf seine große Follower-Zahl von 333.388 ist aber trotzdem beeindruckend.
Die Verbreitungsanalyse in den deutschen Medien zeigt ein Muster, welches wir regelmäßig sehen. Artikel von großen Leitmedien wie SpiegelOnline sind die Fokus- und Anschlusspunkte für die folgende Social Media Diskussion. Der Graph zeigt das öffentlichen Social Media Feedback bezogen auf den SpiegelOnline Artikel Papst Benedikt XVI. tritt zurück (großer Punkt unten rechts) sowie den darauf bezogenen satirischen Kommentar des Postillon Papst Benedikt XVI. tritt zurück, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können (kleinerer Punkt rechts oben) im Zeitverlauf (vertikale Dimension), jeder kleine Punkt stellt einen Kommentar auf den SpiegelOnline-Posts dar. Man sieht sehr schön, das zwar ein Großteil der Kommunikation innerhalb der ersten beiden Stunden nach der Veröffentlichung erfolgt, die Kommentarflut jedoch auch nach Stunden nicht abbricht und durch den Postillon-Artikel sogar neu befeuert wird:

Alles in allem ein spannender Tag, auch wenn völlig überraschend. Wir freuen uns natürlich auch über die Verbreitung unserer Analysen zu diesem Event in Medien wie Kress.de, PCWelt, Absatzwirtschaft und Horizont.net.