Food: Verbraucher sehen Insekten, Laborfleisch & Co positiv

Food: Verbraucher sehen Insekten, Laborfleisch & Co positiv
12. MĂ€rz 2019 Jakob Cuber

Food: Verbraucher sehen Insekten, Laborfleisch & Co positiv

Der Umsatz der deutschen Lebensmittelindustrie liegt dieses Jahr bei 866 Milliarden Euro und Experten erwarten ein dynamisches Wachstum auf satte 940 Milliarden Euro bis 2023. Wesentliche Treiber des Wachstums sind neue Konzepte, Technologien und Trends, wie zum Beispiel “Clean Meat”, Ersatzprodukte hergestellt auf Basis von Algen oder Insekten sowie “Vertical Farming”. Diese Trends in Kombination mit sich wandelnden Erwartungen und Gewohnheiten von Verbrauchern zum Thema ErnĂ€hrung, fordert viele Food-Marken heraus – mit gravierenden Konsequenzen fĂŒr die Food-PR und die direkte Kommunikation mit Endverbrauchern.

Und genau da wird es kompliziert, denn kaum ein Thema ist so emotional wie “Food”: Verbraucher diskutieren alle Aspekte des Essens nicht nur höchst leidenschaftlich, sondern auch zu einem Großteil öffentlich, gerade ĂŒber soziale Netzwerke wie Instagram und Pinterest. Lebensmittel und Mahlzeiten werden fotografiert, geteilt, empfohlen oder verurteilt und natĂŒrlich kommentiert. So hat das Hashtag #food weltweit derzeit 325 Millionen EintrĂ€ge bei Instagram – und es werden tĂ€glich mehr. Essen dient heute nicht mehr nur der ErnĂ€hrung, sondern ist eine Ausdrucksform der politischen Haltung und des persönlichen Lifestyles, des sozialen Status und des eigenen Idealbilds.

Ubermetrics hat in Zusammenarbeit mit dem Global Food Summit in einer Studie die öffentliche Kommunikation rund um drei ausgewĂ€hlte neue Food-Konzepte untersucht. Über einen Zeitraum von drei Monaten (November 2018 – Februar 2019) haben wir die deutsch- und englischsprachige Kommunikation von Verbrauchern und von fĂŒhrenden deutschen Lebensmittel- und AgrarverbĂ€nden gesammelt und analysiert. Insgesamt wurden 350.000 Artikel, Videos, Bilder, Kommentare, Pressemeldungen sowie Tweets und andere ErwĂ€hnungen in sozialen Netzen mit folgendem Ergebnis ausgewertet:

Clean Meat: GefÀlle zwischen den USA & Europa

Der Markt fĂŒr Clean Meat wird SchĂ€tzungen zufolge bis 2021 ein Volumen von 15.5 Millionen US Dollar erreichen und weiter wachsen. Clean Meat – also im Labor hergestelltes, synthetisches Fleisch – benötigt weniger LandflĂ€che und es werden keine Tiere geschlachtet. Unsere Untersuchung hat ergeben, dass die Mehrheit der US-Amerikaner Clean Meat bereits heute offen gegenĂŒber steht, wĂ€hrend deutsche Verbraucher wesentlich skeptischer sind. Die von uns gesammelten Daten zeigen, dass die Kommunikation zu diesem Thema grundsĂ€tzlich positiv ist, denn lediglich 7% aller ErwĂ€hnungen sind negativ. Kritische BeitrĂ€ge beschĂ€ftigen sich in erster Linie mit den bisher unbekannten Auswirkungen von Clean Meat auf den Menschen und die Umwelt.

In einem der viralsten BeitrÀge wird zum Beispiel der Zusammenhang von Clean Meat und Klimawandel kritisch hinterfragt:


Verbraucher sehen “Vertical Farming” Ă€hnlich positiv…

Beim “Vertical Farming” werden HochhĂ€user landwirtschaftlich genutzt. So können StĂ€dte lokal in einer umweltschonenden Art und Weise versorgt werden. Erste Konzepte werden bereits umgesetzt: eine Studie des Frauenhofer-Instituts hat mehr als 50 urbane und vertikale Farmen weltweit gezĂ€hlt. Und das Konzept kommt auch gut in der breiten Öffentlichkeit an, denn 34% aller Verbraucher sprechen in den sozialen Netzwerken ĂŒberwiegend positiv ĂŒber das Thema Vertical Farming. Nur 8% aller ErwĂ€hnungen sind negativ und hinterfragen den erwarteten positiven Beitrag von Vertical Farming-Methoden zur BewĂ€ltigung kĂŒnftiger Versorgungskrisen. Das zeigt auch einer der viralsten BeitrĂ€ge:

… wie Insekten

Die Zucht von Insekten, wie zum Beispiel Grillen, benötigt deutlich weniger FlĂ€che als die traditioneller Nutztiere, jedoch kann sich nur jeder siebte Deutsche vorstellen, Insekten auch tatsĂ€chlich zu essen. Daher erwarten Experten, dass Insekten nicht wie in vielen LĂ€ndern ĂŒblich auf dem Teller landen, sondern als Eiweißquelle in Speisen direkt verarbeitet werden. Und die Chancen, dass Verbraucher sich solchen Produkten öffnen, stehen gut. Unsere Analyse zeigt, dass gerade einmal 7% dem Thema negativ gegenĂŒber stehen, aber mehr als die HĂ€lfte das Thema positiv erwĂ€hnen.

Food-Innovationen: VerbĂ€nde kommunizieren eher zurĂŒckhaltend

Die deutschen Lebensmittel- und LandwirtschaftsverbĂ€nde nĂ€hern sich diesen neuen Konzepten eher zögerlich und das zeigt sich auch an einer von ZurĂŒckhaltung geprĂ€gten Kommunikation. Zu diesen Themen haben wir fast keine Veröffentlichungen gefunden.

Trotzdem fassen neue Konzepte in der Food-Branche dennoch langsam Fuß, wie zum Beispiel bei der DLG Wintertagung 2019, bei der ein Vortrag zum Thema Clean Meat stattfand. Kongresse wie der Global Food Summit greifen diese Themen natĂŒrlich ebenfalls auf.

________________

Aktualisiert am 20. MĂ€rz 2019

Die Infografik zu unserer Studie finden Sie hier:

Junior Marketing Manager