Virtuelle Influencer: PR-Gag oder die Zukunft des Influencer Marketing?

Virtuelle Influencer: PR-Gag oder die Zukunft des Influencer Marketing?
11. Mai 2018 Falk Rehkopf

Virtuelle Influencer:
PR-Gag oder die Zukunft des Influencer Marketings?

Virtuelle Influencer, auch¬†CGI¬†Influencer genannt, sind computergenerierte Figuren mit einer stark wachsenden Popularit√§t. Auf den ersten Blick ist es nahezu unm√∂glich zu erkennen, dass diese Influencer keine wirklichen Personen sind, denn sie sehen realen Menschen t√§uschend √§hnlich. Sie teilen in ihren Accounts auf sozialen Medien auch regelm√§√üig Bilder, die sie mit anderen Influencern oder Prominenten auf Events zeigen. Besucher der Profile dieser Influencer erkennen die wahre Natur dieser Sch√∂pfungen erst, wenn sie etwas genauer hinsehen und in den Kommentaren √ľber das eingeschr√§nkte Empfindungsverm√∂gen dieser Influencer lesen. Einige Branchenexperten klassifizieren virtuelle Influencer als reinen PR-Gag, andere behaupten dieses Ph√§nomen habe ein enormes Erfolgspotenzial.

Die wohl derzeit ber√ľhmteste virtuelle Influencerin ist¬†Miquela Sousa, S√§ngerin, Songwriterin und Model aus den USA mit spanischen und brasilianischen Wurzeln. Auf Instagram ist sie als @lilmiquela bekannt. Das Team hinter Miquela hat ihr Profil im Jahr 2016 erstellt und mittlerweile hat sie mehr als 1,1 Million Follower auf Instagram – die sogenannten „Miquelites“. Im August 2017 hat Miquela ihren ersten eigenen Song „Not Mine“ auf YouTube vorgestellt und seitdem eine Reihe weiterer Songs ver√∂ffentlicht. Sie betreibt auch ihren eigenen Kanal auf¬†Spotify.

Weitere bekannte Beispiele aus der virtuellen Influencer-Welt sind¬†@blawko22, ein Enthusiast f√ľr Streetwear mit eigenem YouTube-Kanal oder¬†@bermudaisbae,¬†eine 19-j√§hrige Brasilianisch-Amerikanische Influencerin, die Miquelas Instagram Account „gehackt“ und sie √∂ffentlich als virtuelle Simulation entlarvt hat. @shudu.gram¬†wird als „das erste digitale Supermodel“ gefeiert. Virtuelle Influencer gibt es allerdings nicht nur in den USA.¬†Hatsune Miku, ein japanisches Hologramm, hat bereits Konzerte in Tokyo gegeben und¬†Alex Hunter, ein 19-j√§hriger Charakter aus den EA Sports-Spielen, ist das Gesicht von verschiedenen¬†Adidas Kampagnen.

ūüďł@cjw.photo . . #3dart

Ein Beitrag geteilt von Shudu Gram (@shudu.gram) am

Virtuelle Influencer in der Modebranche

Die Modebranche ist eine der ersten Industrien, die mit virtuellen Influencern experimentiert. @shudu.gram hat beispielsweise mit¬†Oscar de la Renta und¬†SOULSKY¬†zusammengearbeitet. Miquela ist auch hier sehr pr√§sent: sie hat bereits f√ľr Make-Up-Artist Pat McGrath gemodelt, Diesels Fake Pop-Up promotet, Fotos von der Prada-Show w√§hrend der Mail√§nder Modewoche ver√∂ffentlicht und Editorials und Cover von verschiedenen Magazinen geschm√ľckt.

In einer von Miquelas bisher gr√∂√üten Kampagnen hat Semaine, ein Online-Magazin, k√ľrzlich drei Online Concept-Shops gestartet, die jeweils verschiedene Eigenschaften von Miquela widerspiegeln sollen. Michelle Lu, Mitgr√ľnderin von Semaine, hat erkl√§rt, dass sie sich f√ľr eine Zusammenarbeit mit Miquela entschieden haben, um das digitale Erlebnis, das Semaine anbietet, auf das n√§chste Level zu heben. Lu sagt, dass die Kommunikation mit den virtuellen Influencern reibungslos war: „Wir haben mit ihr auf die gleiche Art und Weise interagiert, wie wir es normalerweise mit anderen Influencern tun. Wir haben also ein Interview mit ihr gef√ľhrt und den von ihr zur Verf√ľgung gestellten Content zusammengetragen. Sie hat dabei genauso viel zu sagen, wie alle anderen auch.“

Miquela Sousa for Semaine

Ein Blick hinter die Kulissen …

Manche virtuelle Influencer sind das eher zuf√§llige Ergebnis individueller Hobbyprojekte. @shudu.gram ist beispielsweise die Erfindung des Modefotografen¬†Cameron-James Wilson. Aber die Mehrheit dieser Influencer wurde von Unternehmen geschaffen, um Aufsehen zu erregen. Hinter¬†@lilmiquela, @bermudaisbae und @blawko22 steckt¬†Brud, ein Startup mit Sitz in Los Angeles. Brud wird von einigen der gr√∂√üten Unternehmen der Risikokapital-Szene unterst√ľtzt – darunter¬†Sequoia Capital. Es ist nicht offiziell bekannt, wie hoch die finanzielle Unterst√ľtzung ist, aber Sch√§tzungen zufolge betr√§gt das Investment etwa 6 Millionen US-Dollar.¬†

W√§hrend Brud die Technologie hinter den drei virtuellen Influencern nicht preisgibt, ist Cameron-James Wilson weniger verschwiegen. Der britische Fotograf hat zun√§chst mit Blender, einer 3D-Software, begonnen und Objekte wie Kaffeetassen und Donuts modelliert. Nachdem sich seine Kenntnisse verbessert haben, ist er zu Daz 3D, einem beliebten Programm f√ľr Spezialeffekte, √ľbergegangen. Zu diesem Programm geh√∂rt ein „Asset Store“, in dem er Objekte und Charaktere kaufen und nach seinem Geschmack weiter ver√§ndern kann. Nur wenige Zeit sp√§ter war bereits @shudu.gram geboren.

Sind Marken und virtuelle Influencer eine gute Kombination?

Die Arbeit mit virtuellen Influencern ist f√ľr Marken h√∂chstwahrscheinlich ein zwiesp√§ltiges Thema. Einerseits sind virtuelle Influencer leichter zu kontrollieren. Schlie√ülich sind sie nicht real und daher ist es unwahrscheinlich, dass ein virtueller Influencer ein Produkt testet, unzufrieden damit ist und es dann nicht weiterempfiehlt.¬†

Andererseits kann die Zusammenarbeit mit virtuellen Influencern auch neue Probleme mit sich bringen. Denn warum sollten Follower den Empfehlungen von jemandem vertrauen, der nicht wirklich existiert? Da virtuelle Influencer keine realen Personen sind, werden sie kaum in der Lage sein, ein Produkt oder eine Dienstleistung authentisch zu bewerben – und dies k√∂nnte f√ľr Marken, mit denen sie zusammenarbeiten, eher sch√§dlich sein.

Dennoch nehmen wir an, dass einige Unternehmen und Marken auf den Zug aufspringen und ihre eigenen virtuellen Influencer kreieren werden. So k√∂nnen sie die Message, die ihre Zielgruppe √ľber die Influencer erreichen wird, effektiv kontrollieren und weiter optimieren ohne sich um Dritte k√ľmmern zu m√ľssen. Was sollte sie also davon abhalten ihre eigene Version von Miquela zu erschaffen?

Mögliche Risiken in der Zusammenarbeit mit virtuellen Influencern

Während virtuelle Influencer an Beliebtheit gewinnen, wird gleichzeitig die Frage der Transparenz wichtiger. Nachdem öffentliche Institutionen wie die Federal Trade Commission in den USA oder Die Medienanstalten in Deutschland die Richtlinien zu Werbung in sozialen Medien aktualisiert haben, sind alle Influencer dazu verpflichtet, gesponserte Posts mit Hashtags wie #Anzeige oder #Werbung zu versehen. Wird sich durch das Phänomen der virtuellen Influencer in diesem Zusammenhang etwas ändern?

Aus Verbrauchersicht sollten auch hier die gleichen Regeln gelten Рschließlich haben auch die Follower von virtuellen Influencern das Recht auf vollständige Transparenz. Gleichzeitig könnte die eindeutige Zuordnung von Verantwortlichkeit zu einem Problem werden: sollte ein virtueller Influencer Regeln brechen, ist es unter Umständen nicht eindeutig, wen öffentliche Institutionen zur Verantwortung ziehen können.

Virtuelle Influencer: Zukunftsaussichten

Da die bereits existierenden virtuellen Influencer immer ber√ľhmter werden und Kooperationen mit globalen Marken eingehen, gehen wir davon aus, dass PR- und Marketing-Agenturen versuchen werden, vom aktuellen Hype zu profitieren, indem sie weitere Influencer erschaffen. Dabei sollten sie jedoch beachten, dass das derzeitige Interesse gr√∂√ütenteils daraus resultiert, dass virtuelle Influencer ein neues Ph√§nomen sind. Die Begeisterung wird wahrscheinlich auch wieder zur√ľckgehen, je mehr uns bewusst wird, dass diese Influencer zwar wie wir aussehen, aber nicht menschlich sind. Werden virtuelle Influencer Verbraucher auch langfristig in ihren Bann ziehen k√∂nnen? Das wird sicherlich nur dann m√∂glich sein, wenn die Unternehmen hinter den Influencern in der Lage sind, ihre Sch√∂pfungen wirkungsvoll weiterzuentwickeln und Interaktionen erm√∂glichen, die Followern einen Mehrwert bieten.

Sie kennen noch weitere virtuelle Influencer, die wir nicht genannt haben? Was halten Sie von diesem aktuellen Trend? Lassen Sie es uns wissen!

Folgen Sie Ubermetrics auch auf Twitter oder¬†Facebook oder melden Sie sich hier f√ľr unseren Newsletter an.

Chief Marketing Officer