Interview mit Fashion-Influencer Gitta Banko: „Niemals seine Authentizität verlieren“

Interview mit Fashion-Influencer Gitta Banko: „Niemals seine Authentizität verlieren“
19. Oktober 2018 Nina Walloch

Interview mit Fashion-Influencer Gitta Banko: „Niemals seine Authentizität verlieren“

Photo Credit – Uwe Erensmann

Die größten Events der Fashion Week-Saison des Herbstes 2018 in New York, Mailand, Paris und London liegen hinter uns. Und es scheint, als hätten mehr Influencer als je zuvor die Modeevents dieser Fashion Week-Saison besucht. Instagram ist das zentrale Medium für die Branche, da sich Nutzer hier gegenseitig inspirieren: „Die Plattform ermöglicht es modeinteressierten Menschen Ideen auszutauschen und miteinander zu kommunizieren,“ sagt Phil Rist, Co-Founder und Geschäftsführer von Prosper Insights & Analytics. Grund genug für Ubermetrics mit der Fashion-Influencerin Gitta Banko zu sprechen. Sie hat mittlerweile mehr als 300.000 Follower auf Instagram.

Woher kommt Ihr Interesse für Mode?

Ich bin mit Mode aufgewachsen, da meine Mutter in der Modebranche tätig war. Schon als Kind habe ich immer wieder Kleider designt und mein Traum war es Modedesignerin zu werden. Mode ist für mich Kunst und eine Art sich auszudrücken und so kann ich meine Vielseitigkeit und Kreativität ausleben. Mode ist für mich außerdem ein Bestandteil von Kultur. Vor allem wenn ich auf Reisen bin, wird mir dieser Aspekt immer wieder bewusst.

Was sind für Sie die größten Veränderungen in der Fashion PR?

Die Digitalisierung hat alles sehr verändert. Früher waren Prominente, Schauspieler und Modeikonen bevorzugte Gäste auf Modeschauen und wurden als Markenbotschafter für Kampagnen ausgewählt. Im Zeitalter von Influencern hat sich das Blatt jedoch gewendet und so sieht man heute immer wieder aus dem Internet bekannte Gesichter auf solchen Events.

Ich fühle mich immer geehrt, wenn Modemarken oder PR-Agenturen an uns herantreten und Interesse an Kooperationen äußern. Es freut mich, dass viele Firmen Social Media-Marketing zunehmend als effektives Mittel für die Produktplatzierung wahrnehmen.

Worauf achten Sie, wenn Sie mit PR-Managern arbeiten?

In unserer Zusammenarbeit mit externen PR-Agenturen haben wir bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich arbeite seit 1 1⁄2 Jahren fest mit meiner Managerin, Yasmin Souissi, zusammen. Sie weiß wofür ich stehe, kennt meine Vorlieben und welche Ziele ich verfolge. Man darf in dieser Branche auf gar keinen Fall seine Authentizität verlieren. Einige Influencer nehmen leider oft schnell Aufträge an, obwohl sie nicht immer hundertprozentig dahinterstehen.

Zudem sollte man nicht unterschätzen, dass es sich in unserer Branche letztendlich um eine Form von Marketing handelt und jeder Content sollte auch Emotionen vermitteln. Eine effektive Kommunikation ist daher ausschlaggebend. Meine Managerin nimmt mir dahingehend viel ab, indem sie mit den Kunden im Vorfeld abspricht was gewünscht ist und die Verhandlungen führt. Für mich steht immer an erster Stelle, dass ich mir selbst treu bleiben kann, egal um welches Projekt es sich handelt.

Wie einflussreich sind die Fashion Weeks?

Die Fashion Weeks sind die wichtigsten Events für die Modebranche. Sie sind ideale Plattformen für Modemarken, um neue Kollektionen zu präsentieren und intensiv Kundenakquise zu betreiben. Sie sind aber ebenso wichtig für die Fashion-PRs, die viel Zeit in die Planung investiert haben. Für die Modelabels selbst steht natürlich einiges auf dem Spiel, denn für gewöhnlich entscheidet sich bei der ersten Präsentation, was Top oder Flop ist und welche Trends sich durchsetzen werden.

In diesem Zusammenhang sind auch Blogger und Influencer immer wichtiger geworden. Ich treffe bei den Fashion Weeks potenzielle Kunden, kann meine Medienpräsenz erweitern und somit wieder neue Follower dazu gewinnen. Die Fashion Weeks sind fantastisch zum Netzwerken, gut für die Content-Produktion und ich kann meiner Community einen Einblick hinter die Kulissen der Modewelt geben.

Wie wird sich das Influencer Marketing verändern?

Das Influencer Marketing hat sich heute zu einem der wichtigsten Elemente in der PR- und Marketing-Branche entwickelt. Über Influencer ist es leichter „Millennials“ und die „Generation Z“ zu erreichen. Was das Influencer Marketing erfolgreich macht, ist letztendlich die Idee, dass wir nicht „unnahbar“ sind – wie beispielsweise ein Hollywood-Star. Ich denke, dass sich Influencer Marketing weiter etablieren wird und immer mehr Unternehmen dessen Potenzial erkennen werden.

Zu Beginn meiner „Karriere“ als Bloggerin mochte ich es gar nicht, wenn man mich als Influencerin bezeichnet hat. Womöglich weil ich mich selbst nicht so wahrgenommen habe. Dies hat sich mittlerweile geändert und ich würde mich jetzt durchaus als Influencerin bezeichnen. Ich freue mich über die vielen Kommentare und E-Mails, die ich von meinen Followern täglich erhalte. Mir wird so bewusst, wie viele Menschen ich mit meinem Sinn für Mode erreiche.

Was ist das Besondere an der Zusammenarbeit mit Print-Magazinen?

Mir als Influencerin bzw. Bloggerin haben die Veröffentlichungen in internationalen Print-Magazinen enorm viel gebracht. Unter anderem bin ich dadurch auch international bekannt geworden, teilweise sogar bekannter als in Deutschland. Dies ermöglicht mir wiederum Kooperationen auf internationaler Ebene. Viele meiner Follower sind beispielsweise in den USA, Russland, Italien und in Brasilen.

Arbeiten Sie mit anderen Influencern zusammen?

Ich habe bereits mit anderen Fashion und Beauty-Influencern zusammengearbeitet. Für gewöhnlich stellt sich hier aber der Kunde selbst einen Pool aus Influencern zusammen. Das wird in der Regel durch PR-Agenturen arrangiert. Wenn mich Kunden persönlich nach einer Empfehlung fragen, spreche ich diese immer gerne aus.

Was müssen Marken mitbringen, um Sie für eine Kooperation zu gewinnen?

Das Label bzw. die Kollektion oder das Produkt müssen einfach zu mir passen. Am wichtigsten an Kooperationen mit Modelabels ist mir jedoch, dass ich frei entscheiden kann, welche Teile ich wie kombinieren darf. Das macht meinen persönlichen Stil aus und ich habe auch einen gewissen Wiedererkennungswert dadurch aufgebaut. Wie sagte Coco Chanel doch so schön: „Mode ändert sich, Stil bleibt“.

Wie wichtig sind ethische Standards für Influencer?

Seit deutlich geworden ist, welchen Einfluss Influencer bzw. Blogger auf ihre Communities haben, haben sich auch einige Gesetze verändert. Ich muss jetzt zum Beispiel fast jeden Beitrag, auch wenn es sich nicht um eine bezahlte Kooperation handelt, als Werbung kennzeichnen, da ich z.B. die Marken, die ich trage, für meine Follower markiere. Mir persönlich macht das natürlich nichts aus und es stellt für mich auch keinen größeren Aufwand dar. Jedoch hört man immer wieder in den sozialen Netzwerken, dass viele Nutzer von den vielen Beiträgen, die als Werbung gekennzeichnet sind, genervt sind. Leider haben wir als Influencer hier keine andere Wahl, da wir ansonsten das Risiko eingehen abgemahnt zu werden und im schlimmsten Fall sogar mit hohen Geldstrafen rechnen müssen.

Wer folgt Ihnen und warum?

Meine Community besteht überwiegend aus modeinteressierten Frauen zwischen 25 und 45 Jahren aus der ganzen Welt – aber es zählen auch einige Männer dazu; immerhin ca. 21%. Meine Follower interessieren sich überwiegend für Themen rund um Fashion, Beauty und Lifestyle. Viele möchten wissen, wo sie die Looks erwerben können, die ich auf Instagram und meinem Blog, Blondwalk.com, teile.

Es ist nicht leicht, ein persönliches Verhältnis zu meiner Community zu bewahren; gerade wenn die Follower-Zahlen stetig wachsen. Trotzdem gebe ich jeden Tag mein Bestes, um Fragen, persönliche Styling-Anfragen oder Nachrichten zu beantworten. Ich denke aber auch, dass Instagram Stories eine große Hilfe sind, um den Followern einen noch besseren Einblick in meinen Alltag zu ermöglichen.

Welches soziale Netzwerk ist Ihnen am liebsten?

Das für wichtigste soziale Netzwerk ist definitiv Instagram, da man dort hauptsächlich über Bilder kommuniziert. Bilder vermitteln viele verschiedene Emotionen in einer sehr direkten, unmissverständlichen Art und Weise. Zudem kommen bei Instagram Inspirationen aus den verschiedensten Bereichen – wie Kunst, Mode, Reisen und Lifestyle – in einem riesigen Pool zusammen.

Verraten Sie uns bitte einige Trends der Saison 2018/19?

Die Trendfarben werden grün, bordeaux, senf-gelb und rost sein. Ich freue mich auf feminine, interessante und raffinierte Schnitte. Zudem werden Layering-Looks auch wieder ein großes Thema sein zum Beispiel das „Jacken-Layering“. Hier werden zwei Jacken oder Mäntel in verschiedenen Längen übereinander getragen und ich kann mir gut vorstellen, dass wir davon viel auf den Fashion Week-Laufstegen sehen werden. Man kann auch verschiedene Taschen miteinander kombinieren, zum Beispiel eine Crossbody-Bag mit einer Oversize-Tasche, um einen besonderen Touch zu kreieren.

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Photo Credit – Uwe Erensmann

Gitta Banko ist eine Bloggerin und Stylistin aus Deutschland. Sie hat bereits viel Erfahrung in der Modebranche gesammelt – als Model, Boutique-Besitzerin und in Showrooms. Seit 2015 gibt es ihren Fashion-Blog „Blondwalk.com“, auf dem sie Tipps zu Fashion und Lifestyle gibt.

Das Ubermetrics-Team bedankt sich herzlich bei Frau Banko für das interessante Interview.

 

 

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